13. Apr. 2016

Münchener Fassadenrüstung mit Vorsprung

Die Theatinerkirche St. Kajetan in München ist eine der markantesten Kirchen der Stadt. Gemeinsam mit der Feldherrenhalle und der Residenz am Hofgarten bildet der Barockbau mit seinen zwei 65 m hohen Türmen und der 70 m hohen Kuppel am belebten Odeonsplatz heute den imposanten Abschluss der Achse Leopold-/Ludwigstraße. Im Jahr 1662 begann die Planung für die erste Kirche im Stil des italienischen Spätbarock nördlich der Alpen. Geweiht wurde sie 13 Jahre später – obwohl noch weitgehend im Rohbauzustand. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Fassade fertiggestellt.

Aufgrund massiver Schäden an der Bausubstanz der Fassade, insbesondere Richtung Odeonsplatz, wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Der Freistaat Bayern, repräsentiert durch das Staatliche Bauamt München 1, nimmt die Sanierung in zwei Bauabschnitten vor, deren Abschluss für Ende 2018 geplant ist. Als ausführender Gerüstbauspezialist kam die Firma BSB Franke und Wagner GmbH aus Schmölln zum Zuge, die nicht zuletzt aufgrund zahlreicher spektakulärer Rüstungen, u. a. im
Bereich Denkmalsanierung, in Fachkreisen einen sehr guten Ruf genießt. Die Planung des Gerüstes erfolgte durch die Münchener Architekten BDA Claus + Förster; das Ingenieurbüro Noack aus Ebersberg erarbeitete die Gerüststatik sowie die Ausführungszeichnungen.

Die Rüstungsarbeiten für den ersten Bauabschnitt umfassten die beiden Türme und den mittleren Gebäudevorsprung – den für die Bauweise des Barocks typischen Mittelrisaliten. Hier kamen insbesondere die Scafom-rux-Systeme SUPER 65/100 und Modulgerüst VARIANT zum Einsatz. Der Nord- und Südturm wurden umlaufend bis zu einer Höhe von 65 m mit je 4.400 qm Material eingerüstet, der Mittelrisalit bis 38 m mit 3.600 qm. Mit der Montage waren durchschnittlich 6 bis 8 Mitarbeiter beschäftigt, zu Spitzenzeiten wurde auf bis zu 15 Mitarbeiter aufgestockt.
Die extrem großen Mauerwerksvorsprünge stellten eine besondere Herausforderung für die Konstrukteure dar, da sämtliche Fassadenflächen für die Sanierung zugänglich sein mussten. Dadurch wurde das Gerüst teilweise bis zu 4 m tief. Auch für die an der Westseite des Südturms weit herauskragenden Stahlträger ließ man sich etwas Ungewöhnliches einfallen: Die Kragarme wurden mittels eines „Pylons“ aus 20 Modulgerüstständern und einer Abspannung aus DYWIDAG-Stäben stabilisiert.

Für die zu installierenden Wetterschutzdächer des Nord- und Südturmes konnte keine Kassettendachlösung eingesetzt werden, da sie in 52 m Höhe in das Gerüst integriert werden mussten. Doch auch dieses Problem wurde von BSB gelöst, indem man eine Unterkonstruktion aus Holz baute, auf der Seekieferplatten aufgeschraubt wurden. Als Dichtung wurde dann eine Lage besandeter Dachpappe aufgebracht.

Bei der Logistik setzte BSB auf bewährte Technik: Gabelstapler für den horizontalen, Bauaufzüge und Gerüstwinden für den vertikalen Materialtransport. Für Stahlträger und die Montage des Wetterschutzdaches wurde ein 300-Tonnen-Autokran eingesetzt.
Erschwert wurde die Bestückung der Baustelle durch die Vorgaben seitens der Stadt München, jeweils morgens bis 10.30 Uhr alle Materialanlieferungen abgeschlossen zu haben, da am Odeonsplatz reger Fußgängerverkehr herrschte.

Doch trotz aller Herausforderungen zog man bei BSB mit Abschluss des ersten Bauabschnittes nach knapp sechs Monaten schon mal ein zufriedenes Fazit: „Die Verbindung aus Fassadengerüst RUX-SUPER 100/65 und Lasttürmen aus VARIANT Modulgerüst ergab eine optimale Lösung für die relativ komplizierten Gebäudeparameter. Dabei war der Einsatz von Sonderteilen wie Gitterträgern, Konsolen verschiedener Größen u. Ä. äußerst wichtig!“